Sonntag, 3. Oktober 2010

Dieser Blog wurde eingestellt - weiter geht's auf guenterstrobl.blogspot.com

Ich habe meinen Blog verlegt und ab sofort gibt's Günter Strobl auf http://guenterstrobl.blogspot.com/

Freitag, 5. März 2010

Der ist ja plemplem

Auf Empfehlung einer Freundin war ich letzten Mittwoch bei einem Osteopathen, der mir die Wirbelsäule wieder gerade richten sollte. Dass diese Behandlung der Ausgangspunkt für ein Erlebnis der anderen Art sein sollte, konnte mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst sein.

Die Behandlung verlief zügig und soweit erfolgreich, ich fühlte mich gleich danach wieder "eingerichtet". Der Therapeut empfahl mir allerdings dringend, dass ich unmittelbar danach nicht Rad- oder Autofahren und am besten mindestens 20 Minuten lang spazieren gehen sollte. Nachsatz: Und das ganze, so langsam wie nur irgendwie möglich.

So begab ich mich aus der Ordination in der Porzellangasse auf einen möglichst langsamen Spaziergang in Richtung erster Bezirk. Um nicht sonderlich aufzufallen bewegte ich mich in der Form, die man sicherlich von sich selbst kennt, wenn man genüßlich auf und ab geht, wenn man z.B. auf etwas oder jemandem wartet. Derart unverfänglich - wie ich meinte - bewegte ich mich langsam und genüßlich durch die Straßen in Richtung Wipplingerstraße. Jede Ampel wurde aber rasch zur Herausforderung, da die Grünphasen - wie ich bemerkte - keineswegs ein derart langsame und genüßliche Schrittgeschwindigkeit förderten.

Mir fiel bald auf, wie rasch sich alle Menschen in dieser Stadt bewegen. Langsames, gemütliches Überqueren eines Schutzweges ist aufgrund des enormen Drucks abbiegender Fahrzeuge selbst im Grünfall so gut wie unmöglich. So schloss ich für mich den Kompromiss, dass ich beim Überqueren eine angemessen schnelle und für meine vor kurzem reparierte Wirbesäule trotzdem akzeptable Geschwindigkeit wählte. Schnell genug, um die Autofahrer nicht zu verärgern und auf der anderen Straßenseite danach wieder in das gemütliche Schlendern zurückzukehren.

Wie gesagt, eine neue Erfahrung, diese Stadt in slow-motion ein Stück zu bewältigen. Nach rund 30 Minuten war ich mit meiner Langsamkeit richtig in Fahrt gekommen und genoss es sehr, mal auf diese Weise durch die Stadt zu tingeln. Man nimmt auf einmal Dinge wahr, die wären mir sonst niemals aufgefallen. Ist grundsätzlich jedem mal zu empfehlen, der diese Stadt auf andere Art zu entdecken bereit ist.

Neues-Bild1Am Hohen Markt - Ecke Wipplinger Straße angekommen stand ich wieder vor einem Schutzweg und bemerkt schon zuvor, dass die Grünphase extrem kurz für Fußgänger war. Kaum auf Grün geschaltet, begann sie schon wieder zu blinken. Selbst in normaler Geschwindigkeit ist die Überquerung kaum zeitgerecht zu schaffen.

Beschleunigt schlenderte ich bei Grün trotzdem los und schaffte es rechtzeitig ohne jemanden zu behindern und ohne Druck seitens der Autofahrer auf die andere Gehsteigseite beim Würstelstand. "Der ist ja plemplem!" sagte plötzlich jemand neben mir und ich sah mich um, wer da wohl gemeint war. Ich stellte fest, dass die Worte vom Mund des Mannes eines älteren Ehepaars kamen und als ich ihm in die Augen sah, wiederholte er, seine Innenhandfläche vor seiner Stirn winkend und gestikulierend: "Sie sind ja plemplem!" Seine in Pelz gekleidete Frau nickte fleißig zustimmend in stetiger Abwechslung mit bestürztem Kopfschütteln.

Ich war sprachlos. Die beiden meinten mich! Ich bin der, der hier plemplem ist.
"Wie kommen Sie dazu, mich als plemplem zu bezeichnen?" stammelte ich. Ich war fassungslos. In Bruchteilen von Sekunden war meine über mittlerweile 40 Minuten aufgebaute Gelassenheit dahin. Ich starrte die beiden an und wiederholte meine Frage. Die beiden bildeten - an den Armen eingehängt eine feste solidarische Verbindung und auch ihr äußerliches Erscheinungsbild lies darauf schließen, dass sie ihre eingeschränkte Sichtweise auf diese Welt ihr Eigen nennen und bedingungslos teilten. "Wie man so dumm über den Zebrastrefien gehen kann, wo doch schon Rot war!" murmelten sie vor sich hin. Noch immer war ich fast sprachlos und meine sonst durchaus vorhandene sprachliche Eloquenz lag irgendwo neben der Gehsteigkante.

Mittlerweile war wieder Grün geworden und die beiden überquerten nun ihrerseits den Schutzweg in die andere Richtung. Irgendwas schrie ich den beiden noch nach, ich weiß nicht mehr was es genau war. Es war jedenfalls nicht nett.

Die beiden schafften es übrigens nicht, rechtzeitig vor Rot auf der anderen Seite bei der Hypobank anzukommen.


Epilog
Das Ereignis geht mir seit Tagen nicht aus dem Kopf, weil es für sovieles steht in dieser Gesellschaft. Die Fähigkeit, andere zu respektieren wie sie sind. Zu seiner eigenen Langsamkeit zu stehen und wie Umgehen mit Menschen, die anders sind als man selbst. Wahrscheinlich für noch vieles andere mehr.

Ich musste kurz danach beim Würstelstand am Hohen Markt herzhaft lachen. Über mich, über die beiden Alten, über die Welt.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Die Grünen haben Angst vor ihren Wählern

Nun ist heute der letzte Tag der Grünen Vorwahlen. Zeit für mich ein kurzes Resumee zu ziehen.

Vornweg: Ich war einige Jahre Funktionär der Wiener Grünen, saß in der Landeskonferenz - angeblich dem strategischen Lenkungsgremium der Wiener Partei - und habe mich aktiv engagiert. Aufgrund meiner Lebensumstände habe ich mich 2005 aus dieser aktiven Arbeit völlig zurück gezogen. Parteimitglied bin ich noch immer.

Mein Befund
war bereits damals, dass die Grünen sich intern selber im Weg stehen. Endlose Diskussionen die meist in der Landeskonferenz in Statutendebatten gemündet haben. Kaum Visionäre in der Partei und wenn versucht worden ist, Strategien und Visionen zu diskutieren, endete es immer gleich: Die Ideen wurden solange zerpflückt und zerredet, bis nichts mehr übrig geblieben ist.

Meiner Einschätzung nach dominieren in der Partei zu viele Selbstdarsteller, ideolgisch aus der Linken kommende 68er und unprofessionelle Menschen, die sonst nirgends eine Plattform gefunden hätten, wo mit soviel Geduld auch dem größten Schwachsinn genügend Redezeit zur Verfügung gestellt wurde. Wer die Termine aussitzen konnte, hatte gewonnen. Wer die höhere Leidensfähigkeit besaß, hatte auch gewonnen, weil am Schluss viele W.O gegeben hatten.
So auch ich. Zu oft kam ich zu dem Schluss, dass dort agiert wird nach dem Motto "if you can't convince them - confuse them!"

Begeisterung in den Bezirken
Was ich aber immer wieder wahrgenommen hatte, war die Begeisterung derer, die in Bezirksgruppen arbeiteten. Dort war der Idealismus gemeinsam mit Engagement und Motivation noch da. Ich habe immer wieder gemerkt, dass die wahre Politik dort stattfand, an der Basis, weil diese Politik direkt an den Menschen "draußen" andockte.

Grüne Vorwahlen wollten andocken
Ich sehe heute die grünen Vorwahlen wie eine virtuelle Bezirksgruppe, die allerdings ganz anders funktioniert. Keine lokal beschränkte Gruppe, keine lokal beschränkten Themen, sondern die Vielfalt, die das Internet mit all seinen Möglichkeiten bietet.

Wenn die Grünen es nicht schaffen, ihre Angst vor diesem "unbekannten Bezirk" zu überwinden, dann verlieren sie damit nicht nur den Kontakt zu diesen Menschen in diesem neuen "Bezirk", sondern stoßen auch viele in deren Umfeld vor den Kopf. Der Imageschaden ist heute schon beträchtlich, wenn man sich die Meldungen in den klassischen Medien dazu auch noch ansieht.

Die Ideologen, die selbst immer wieder aufgestanden sind und ihre Parolen aus den 68er getrommelt haben, werden nun selbst zu den blockierenden Machthabern. Die Revolution frisst ihre Kinder und die Grünen haben Angst vor ihren Wählern.

Es gibt noch eine kleine Chance das Ruder rumzureißen und sich nachhaltig zu öffnen - die Wiener Grünen stehen vor einer Nagelprobe, wie es auch Peter Drössler formulierte. Am Sonntag auf der Landesversammlung kann ein weiteres Zumauern der Grünen noch verhindert werden. Paradoxerweise kommen die diesbezüglichen Anträge auch von Menschen mit Bezirksgruppenbackground.

Nachtrag1: Wie ich erst nach Veröffentlichung dieses Artikels gesehen habe, geht es Gerald Bäck in seiner Einschätzung über Grüne Mechanismen ähnlich.
Zitat daraus: "Das Rezept war ganz einfach: Die SympathisantInnen wurden so lange frustriert, genervt und schließlich verarscht, bis es den meisten zu recht reicht. "

Nachtrag2: Im übrigen kann ich auch Klaus Werner Lobos Artikel Ich unterwandere jetzt mal schnell die Grünen zu 100 % unterschreiben

Nachtrag3: Und Tom Schaffer find ich auch cool mit dem Grünen Vorwahl Karren

Samstag, 18. April 2009

Grünes EU Plakat: Warum nur?

Dieser Tage haben die Grünen Ihr erstes Europawahlplakat vorgestellt. Nun ja: Meine erste Reaktion war: Nachdenken! Darüber, was die grünen Werbemacher uns damit sagen wollen und welche Botschaft damit transportiert werden soll?
gruenes_europawahlplakat
Gestalterische Eigenartigkeiten
Warum schaut der eine Mann links unten "hinter die Kamera"? Das ist meiner Einschätzung nach unprofessionell. Es wirkt wie ein fototechnischer Unfall, gab es bei den (mutmaßlich) vielen Shootings kein besseres Foto? Viele Amateurmodels unter einen Hut zu bekommen ist zugegebener Maßen schwer, aber dann muss man eben länger daran arbeiten. Oder man nimmt Profimodels. Insider erkennen am Plakat viele grüne FunktionärInnen. Viellecht auch eine Botschaft, die vielleicht als nicht geglückte Antwort auf http://www.gruenevorwahlen.at/ gewertet werden könnte.
Ich hoffe, es kommt jetzt auch niemand mit dem Einwand, die aus dem grünen Leben gegriffenen Models würden das wahre Leben besser wiedergeben. Denn:

Die listenzweitplatzierte Eva Lichtenberger hat einen sehr gekünstelten Gesichtsausdruck. Spontan fielen mir dazu die "Frauen von Stepford" ein. Wohl auch ein Ergebnis des Umstandes, dass von den vielen Shootings das erwählte das beste war.

Was will man uns damit sagen?
Die Gesamtkomposition des Bildes vermittelt mir schließlich die Botschaft: "Wir Grünen werden die EU Bürokraten mit einem fetten Grinsen im Gesicht und Papierrollen erschlagen."

Weniger nett und sehr klar auf den Punkt gebracht hat es ein anderer sehr grünnaher auf Facebook. Er findet es "einfach peinlich" und meint, dass es eines "völlige Verkennung der Rolle [der Grünen spiegle]". Ich bin mir sicher, der von mir hier zitierte, wird sich in seinem Blog dazu noch eingehend äußern.

Die wenigsten Grünen verstehen Web 2.0
Mittlerweile hat auch Ulrike Lunacek selbst das Plakat auf ihrem Facebook Account gepostet. Das hat mich wiederum animiert, dort mal vorbei zu schauen. Leider wieder mit einer traurigen Erkenntnis: Ulrike Lunacek hat es noch immer nicht geschafft, ihre Web 2.0 Identität aufzubauen. Selbst in Facebook bleibt sie eine fade Terminankündigerin und Videoposterin. Noch immer nicht hat sie verstanden, wie social networks funktionieren. Nicht durch posten lassen von Einträgen, sondern durch eigenes Involvement - durch Selbstengagement. Aber offensichtlich verzichtet Lunacek neben den Voggenhuber-Stimmen nun auch auf jene der Internet-Community.

Community findet Plakat schlecht
Schon vor einigen Tagen bin ich einem Grünen begegnet, der mir gerüchteweise die Schlechtigkeit des Plakats kolportiert hat. Da hatte ich es noch nicht gesehen. Seit vorgestern muss ich diese Einschätzung leider bestätigen. Ich sehne mich nach einer Zeit, wo mich Grüne Parteiarbeit einfach wieder einmal begeistert.

P.S: Ich hatte gestern ein langes Mittagessen mit einer Freundin, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Und entlang unseres Gesprächs sind wir irgendwann auch bei den Grünen gelandet - nachdem sie mich gefragt hatte, ob ich noch dabei sei. Sie hat schließlich gemeint. Sie hält die Grünen mittlerweile nicht mehr aus. "Sie sind zu einer Partei geworden, die ich nicht mehr wählen kann." Davon gibt es mittlerweile viele in meinem Freundeskreis. Warum nur?

Mittwoch, 1. April 2009

Endlich: der Versuch echter Grüner Basisdemokratie

Eine Internetinitiative die von Helge Fahrnberger ins Leben gerufen wurde ist heute online gegangen. Unter dem Titel "Grüne Vorwahlen" soll unter Ausnutzung der Grünen Statuten allen außerhalb des Parteiapparates eine Mitbestimmung bei der Auswahl der KandidatInnen sichern.

Ich halte das für eine echte Alternative zur mittlerweile auch bei der Grünen Alternative (sic!) sehr etablierten Funktionärsdemokratie. Bin schon gespannt, was daraus wird. Der erste Tag zeigt jedenfalls bereits eine Reihe von Responses auf facebook und twitter.

Vielleicht ein Schritt zu der von mir einmal als Überlegung angedachten Internetpartei.

Also ich schlage vor: all jene, die Interesse an Grüner Politik haben, diese Initiative zu unterstützen. Immerhin sehen ja die Statuten der Grünen derartige Basisdemokratie (noch) vor.

Freitag, 20. Februar 2009

Lunacek will diesen Schwung mitnehmen

Lunacek hat nun - natürlich anlässlich des EU-Wahlkampfes - auch facebook (Link nur für facebooknutzer) entdeckt. Und jetzt wird ein erstes Video gepostet. Schlechter kann's kaum gehen. In miserabler Tonqualität in einem Cafehaus aufgenommen (sollte wohl wieder mal die berühmte Bürger_innen-Nähe simulieren) und dann auch mit einem etwas unglücklichen Standbild als Teaser mit dem Sager "Den Schwung mitnehmen, den viele von uns haben ..."
lunacek
Unprofessionell, dilettantistisch und schwach. Wenn das der Anfang des grünen EU-Wahlkampfes im Internet war, na dann: bon voyage.

Einziger Trost: Das Video dürfte nur auf facebook verfügbar sein, was den Nutzerkreis sehr einschränkt.

Dienstag, 17. Februar 2009

Trennung von Staat und Religion: Laizismusinitiative

Endlich gibt es auch in Österreich eine Initiative die aktiv die Trennung von Staat und Religion fordert. In einem Land in dem die überwiegende Mehrheit - zwei Drittel der Gesellschaft - religiös ist, braucht es Aufklärung. Aufklärung darüber, was Religion ist.

Ein Schritt dazu ist, die Trennung von Religion und Staat. Es ist ganz einfach, diese Idee zu unterstützen:

http://www.laizismus.at

Montag, 16. Februar 2009

RVA - radikal vernunftdenkende atheisten

der gedanke kam mir anlässlich eines blog-beitrages in der grün-internen diskussionsplattform: es braucht viel mehr bewegungen, die den säkularen staat endlich fordern. in zeiten von wagners, ratzingers, schönborns die - je nachdem - gegen alles mögliche wettern. sie wettern dagegen, nicht etwa weil sie nachgedacht hätten (da beziehen sie sich auch schon mal auf alte literatur wie der vorarlberger bischof), sondern alleine aufgrund ihres glaubens. und der ist 2.000 jahre alt und fußt auf ein paar papierschnitzel.

radikal vernunftdenkende atheisten
die radikalität besteht darin, dass alleine die vernunft maßgebliches moment des denkens sein soll. keine kompromisse mehr beim argumentieren. die bibel ist unbrauchbar als was auch immer: als gesetzestext, als moralische grundlage, als heizmaterial (schlechte co2 bilanz!). warum liegt z.b. dieses "buch der bücher" noch immer in millionen von hotelbettnachtkästchen????
wenn mist potenziert wird, bleibt es noch immer mist!

lasst uns radikal neu denken. eine gesellschaft ohne gott.

Trennung von Staat und Religion

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Zuletzt aktualisiert: 3. Okt, 12:57

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